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1 (Cover-Illustration von Daan Jippes, 1977) |
Denn dieser Film war, im Gegensatz zu den meisten damaligen
Zeichentrickfilmen, in Farbe und die Kinobesitzer rechneten
deshalb mit Besucherstürmen. Die kamen zwar wie erwartet
- aber aus einem ganz anderen Grund. Die Begeisterung galt
nicht der Farbe, sondern vier großartigen, neuen Hauptdarstellern.
Doch wie so oft begann die Geschichte lange vor 1933...
Once upon a time when pigs spoke
rhyme, and monkeys chewed tobacco, And hens took snuff to
make them tough, and ducks went quack, quack, quack, O!
There was an old sow [who sent] three little pigs out
to seek their fortune. The first that went off met a man with
a bundle of straw, and said to him, "Please, man, give
me that straw to build me a house." Which the man did,
and the little pig built a house with it. The second little
pig met a man with a bundle of sticks... and the pig built
his house with them. The third little pig met a man with a
load of bricks... and the pig built his house with them.
Presently came along a wolf, and knocked at the straw
house door, and said, "Little pig, little pig, let me
come in."
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2 (Illustration von L. Leslie Brooke, 1905) |
So klang "Die Geschichte von den drei kleinen Schweinchen",
als Jacob Halliwell sie 1849 in England zum ersten Mal veröffentlichte.
Wie viele solcher Fabeln wurde auch diese, lange bevor sie
gedruckt wurde, mündlich überliefert und war in
weiten Teilen Europas und Afrikas bekannt.
Afrikanische Sklaven trugen die Geschichte einst nach Amerika.
Wolf und Schweinchen lebten im gleichen Wald wie so manch
andere Helden der afrikanischen Fabelwelt – Brer Rabbit,
Brer Fox und Brer Bear. Der Volksmärchen-Sammler Joel
Chandler Harris gab diese Geschichten 1883 heraus.
The knocking woke up [the first]
Pig, an’ he came to the door, an’ he ask who it
was. Brer Wolf allowed it was a friend. "My ma told me
to keep my eyes on Brer Wolf,” says Pig. "I see
you through the crack in the door, an’ you look mighty
like Brer Wolf.”
Then Brer Wolf, he drew a long breath...
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3 (Skizze, 1932) |
Machen wir einen Zeitsprung vorwärts in die 30er Jahre,
als der junge Walt Disney nach Fabeln und Erzählungen
für seine Silly Symphony-Serie suchte. "Diese kleine
Schweinchen sehen aus, als ob man ganz ordentliche Character
aus ihnen machen könnte", meinte er zu seinen Leuten,
und "seht euch mal das kleine Schwein genauer an, das
am härtesten arbeitet."
Auf den Zeichenbrettern entstanden so Fiedler und Pfeiffer
mit ihren Häusern aus Holz und Stroh und das fleißig
arbeitende Schweinchen Schlau, das wusste, dass gleichzeitig
Spielen und Arbeiten nicht gut zusammengeht.
Danach machten sich die Künstler Albert Hurter und Norm
Ferguson an die Entwicklung ihres Feindes. In einer Zeit der
noch sehr eindimensonalen Kino-Stars schufen sie den ersten
selbstbewussten Schurken der Leinwand. Dieser Wolf war wirklich
böse und zelebrierte dies auch. Seine scharfen Zähne
machten klar, dass er wirklich eine Gefahr war für die
kleinen Schweinchen. Seine Bewegungen aber zeigten, dass er
versuchte, noch böser zu wirken als er wirklich ist.
Ein solcher Schurke verdiente es, mit einem eigenen Song unsterblich
gemacht zu werden...
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| Bild 4: Werbeplakat, 1933 |
With a gruff puff-puff he puffed
just enough, and the hay house fell right down. One and Two
were scared to death of the big bad wolfie’s breath;
"By the hair of your chinny-chin, I’ll blow you
in,” and the twig house answered yes.
No one left but Number Three to save the piglet family.
When they knocked he fast unlocked and said "Come in
with me!”
Who’s afraid of the big bad wolf, big bad wolf, big
bad wolf?
Who’s afraid of the big bad wolf? Tra la la la la!
In den Zeiten der großen Wirtschaftsdepression, in denen
der Begriff vom "Bösen Wolf" zum geflügelten
Wort wurde, brachte es der Song "Who’s Afraid Of
The Big Bad Wolf" (Wer hat Angst vor’m bösen
Wolf) in die Pop-Charts und munterte so die halbe Welt auf.
Der Film "Three Little Pigs" gewann einen Oscar
und seine Hauptdarsteller tauchten bald in einem neuen und
sehr trendigen Medium auf: in Comics!
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| Bild 5: Aus WDC 54 B "The Practical Pig" (Schweinchen
Schlau) |
Fiedler, Pfeiffer, Schweinchen Schlau und der Große
Böse Wolf erschienen zum ersten Mal am 19. Januar 1936
in den Silly Symphony Sunday Strips von Ted Osborne und Al
Taliaferro. Und sie waren sofort große Persönlichkeiten.
Schweinchen Schlaus Selbstbewußtsein tendierte gar gen
Größenwahn. Er baute nicht nur Wolf-Abwehrmaschinen
– er ließ sie sogar patentieren! Ede Wolf hingegen
widmete sich mit solcher Hingabe seinen Fallen und Verkleidungen,
dass ihn seine ewigen Fehlschläge geradezu sympathisch
machten. Schweinchen fangen und Wolf verjagen wurde zum Konflikt
verwandter Seelen.
1945 erweiterte eine neue, großartige Figur die Szenerie:
Der Kleine Böse Wolf. Entwickelt von Chase Craig und
Carl Buettner war er allerdings nicht der erste Sohn des Großen
Bösen Wolfs. In frühen Cartoons und Comics sah man
bereits drei böse kleine Wölfe. Aber der neue "Li’l
Wolf" zeigte Standfestigkeit. Im Gegensatz zu seinem
Namen zeigte er ein überaus freundliches Wesen und befreundete
sich mit den Schweinchen.
Für Ede (Zeke) Wolf, wie der Große Böse Wolf
seit 1946 genannt wurde, ging es von nun an bei der Schweinchenjagd
nicht mehr um Hunger oder Ego-Trips. Er musste jetzt einen
Fehler der Natur korrigieren und seinen Sohn vor etwas bewahren,
was in seinen Augen verständlicherweise der mentale Ruin
war. Ein psychologisches Kabinettstück der Autoren!
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| Bild 6: Aus W/O. S. 473 D, Music Hath Charms (Betörende Töne) |
Rund um unser Quartett entstand nach und nach eine neue
Wald-Gemeinschaft. Disneys "Song of the South" macht
1946 auch aus Brer Bear (Gevatter Bär), Brer Fox (Gevatter
Fuchs) und Brer Rabbit (Hansi Hase) Trickfilmstars, die sich
nach und nach auch in Ede Wolfs Comic-Revier einschleichen.
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| Bild 7: aus W/WDC 75 E |
Es gibt nur wenig, was Ede Wolf auf dieser Welt fürchtet.
Das eine ist seine eigene Mutter und das zweite, dass sein
Sohn so werden könnte wie sie. Denn dass gleich zwei
Wölfe so dermaßen aus der Art schlagen, ist ihm
ziemlich unheimlich.
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| Bild 8: Aus W/WDC 105 K, "Cousin Izzy Strikes Again" |
In Frankreich hatte der Kleine Böse Wolf lange Jahre
sein eigenes Magazin: P’tit Loup. Die Geschichten des
Kleinen Wolfs erschienen Anfang der 90er Jahre vor allem im
Magazin "Strolchi" und auch manchmal in der "Micky
Maus". Er erlebte dort ganz andere Abenteuer als früher,
Schweinchen jagen war out – vegetarisch essen in!
Wölfe und Schweinchen haben es nicht zuletzt dem Autor
Gil Turner zu verdanken, dass sie zu so "runden"
Charakteren wurden. Denn von 1947 bis Ende der 50er Jahre
arbeitete und feilte er an ihnen. Mit Sätzen wie "Wölfe
stehlen Hühner, sie kaufen sie nicht!", oder "Hätte
ich nicht schon in der Wiege mit dem Lügen angefangen,
wäre nie etwas aus mir geworden!", fixierte er den
Charakter des Großen Bösen Wolfs. Später nahmen
sich viele andere Künstler seiner an: Darunter die Americaner
Vic Lockman and Jack Bradbury, die Briten Paul Halas and Gail
Renard, die Holländer Wilbert Plijnaar and Dick Matena,
die Franzosen Didier le Bornec and Isabel Penalva, die Deutschen
Wolfgang and Katja Schaefer, der Spanier Julio Ramos und die
Schweden Unn Printz-Påhlson and Peter Härdfeldt.
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Bild 9: Aus der Geschichte "Sieg auf der ganzen Linie"
(D 2002-140), nachzulesen in "Micky Maus"-Nr. 22/03. |
Am 27. Mai 2003 feiern wir nun also den 70. Geburtstag vom
Großen Bösen Wolf und den Drei Kleinen Schweinchen.
Anlass genug für eine nagelneue Geburtstagsgeschichte
"Sieg auf der ganzen Linie" (im Original "The
Baddest Day") von David Gerstein und Massimo Fecchi.
Ede Wolf stand der Sinn noch nie nach Familienfesten. Doch
sein "missratener" Sohn lädt alles ein, was
im Wald lebt und Beine hat. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf
... doch lesen Sie selbst!
Stand April 2003
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