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Ein paar Worte über mich selber...
...Ich wurde Mitte des letzten Jahrhunderts geboren (in der
guten alten Zeit) hoch oben im Norden von Schweden, im tiefsten
Wald, in einer kleinen Hütte, die auf einem kleinen Streifen
Land, eingezwängt zwischen zwei Seen, gelegen war. Meine
ersten Kindheitserinnerungen handeln von diesem Ort, von mir,
wie ich über der Hütte schwebe und die Landschaft
aus der Vogelperspektive betrachte — aus fünfzehn,
zwanzig Metern Höhe. Es war atemberaubend schön!
Wie auch immer, ein paar Jahre später hatte ich meine
erste Begegnung mit dem Schwedischen wöchentlich erscheinenden
Donald Duck Magazin: "Kalle Anka" — und in
diesem Moment begann der Alptraum. Du kennst diese Phase,
die man kurz vor dem Einschlafen durchmacht — "zwischen
den Welten" — dort bin ich steckengeblieben, während
ich dieses Magazin las. Es war keine sehr angenehme Situation,
weil ich versuchte, mir die kommenden Zeilen auszudenken,
während ich die vorangehenden noch las. Das war harte
Arbeit! Die Geschichte musste Sinn machen und trotzdem spannend
bleiben, ohne jedoch vorhersehbar zu werden. Und am schlimmsten
— ich musste mir ein gutes Ende und einen lustigen Schluss-Satz
ausdenken, was meine Bedrängnis verstärkte, je näher
ich dem letzten Bild kam. Aber irgendwie habe ich es immer
geschafft, trotz der Ängste, die dies in mir wachrief
— oder vielleicht — aufgrund dieser Ängste.
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| Bild
1: Aus "Tarantella" (D 98090), nachzulesen in
"Micky Maus" Nr . 40/03 |
Als sie eine Tanzaufführung des Lateinamerikanischen
Tänzers Pepito besucht, will Minni mit Micky eine Tarantella
auf der Bühne tanzen. Micky lässt sich dazu überreden,
verletzt jedoch Pepito bei dem Auftritt. Deshalb muss Micky
Pepitos Platz einnehmen und eng um eine giftige Tarantel-Spinne
herumtanzen, die ihn tatsächlich beisst!
Schnell wurde ich nach Comics regelrecht süchtig und
musste sie alle lesen. Da ich sie alle schreckenerregend fand,
hatte ich als Folge davon von jedem einzelnen Comic Alpträume.
Den lustigen Teil — das Element der Komödie —
hielt ich für einen netten Bonus des gütigen Geschichtenerzählers,
um mir zu helfen, meine Ängste zu überwinden, damit
ich aus diesem geschützten Blickwinkel die Geschichte
geniessen konnte. Diesen Trick wandte ich auch bei meinen
schlimmsten Alpträumen an, so dass sie erträglich
und einfach albern wurden.
Mit diesem Hintergrund (und dieser kindlichen Besessenheit)
konnte ich eine Karriere in der Comic-Welt wohl kaum vermeiden,
als das Leben mir schliesslich eine Berufswahl abverlangte.
1989 begann ich meine freiberufliche Zusammenarbeit mit Egmont
als "Scribbler" für die ehemalige Chefredakteurin
Nancy Dejgaard, die mich 6 Monate später als Zeichner
fest anstellte, wobei ich hauptsächlich den beiden Art
Direktoren Bob Foster und Helge Barner assistierte. Ich blieb
acht Jahre in diesem Büro (viel länger als ich ursprünglich
vorhatte) bis ich wieder Freiberufler wurde. Bei Egmont zu
arbeiten war aufregend und sicher sehr lehrreich, aber ich
habe es immer vorgezogen, von meinem Studio zuhause aus zu
arbeiten und mir meine Arbeitstage beziehungsweise "Arbeitsnächte"
selber einzuteilen.
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Bild 2: aus "Wunderbarer
Weihnachtsbaum" (D 2002-084), nachzulesen in
"Micky Maus" Nr. 50/03 |
Weihnachten naht und der Bürgermeister weist an, mit
dem "Alten Immergrün" — einer majestätische
alte Tanne, die aus Sicherheitsgründen gefällt werden
muss — den Marktplatz der Stadt zu dekorieren. Leider
geht dabei der alte Baum entzwei. Micky rettet aus purem Versehen
die Situation, als er die Wasserleitungen der Stadt beschädigt
und so einen schönen Eisbaum entstehen lässt.)
Jeder hat seine eigene Methode, um neue Geschichten zu erfinden.
Meine Methode ist sehr simpel. Ich beginne einfach zu zeichnen,
ohne einzugreifen bei dem, was meine Hand da selbstständig
tut. Wenn ich Glück habe entsteht so eine daumennagelgrosse
Zeichnung und die ganze Geschichte ergibt sich von selber.
Es ist ein intuitiver Prozess und unmöglich vorherzusagen,
ob es klappt. Wenn meine Synopsis fertig ist, bin ich jedesmal
überrascht, wie die Geschichte auf diese oder jene Weise
aus dem Leben "herauszuspringen" scheint. Zum
Beispiel habe ich vor einigen Jahren eine Goofy-Geschichte
mit dem Titel "Pets & Plants" geschrieben,
in der Goofy eine Palme kauft. Da ihm die Palme leid tut und
er sie nicht alleine zuhause lassen will, zieht er sie ständig
auf einem kleinen Rollwagen hinter sich her. Am nächsten
Tag las ich in der Zeitung von einem exzentrischen Engländer,
der seine Pflanzen stets in einem Einkaufswagen mit sich führt,
wenn er einen Spaziergang macht. Ich muss einfach feststellen,
dass auf diese oder jene Weise alle Menschen irgendwie miteinander
verbunden sind.
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| Bild 3: aus "Die
rasende Palme" (D 93534), nachzulesen in "Micky
Maus 32/95 |
Wenn ich am Aussehen der Hauptcharaktere arbeite, fühle
ich mich der älteren Generation von Zeichnern und Autoren
immer sehr verbunden. Ich habe dann das sichere Gefühl,
dass man von den Erfahrungen profitieren kann, die talentierte
Künstler über Jahrzehnte in ihre Arbeit eingebracht
haben und die den Figuren die notwendige Tiefe verleihen,
die den neueren Figuren mitunter fehlt. Aber die Vervollkommnung
ist noch nicht abgeschlossen und der hohe professionelle Standard
der derzeitigen Künstler-Generation ist immens. Ich würde
sagen, dass heutzutage all diesen brillianten und talentierten
Kollegen die Hauptinspirationsquelle für meine Arbeit
sind — egal ob alt oder neu.
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Bild 4: aus "Backwards
Bob" (D 2003-052), nachzulesen in
"Micky Maus" Nr. 06/04 vermutlich unter dem
Titel "Rick Rückwärts". |
Ein Schwindler und Entertainer stiftet Unruhe in Entenhausen,
indem er alles rückwärts macht. Sogar Micky wird
reingelegt und muss einen Weg finden, den "Künstler"
zu enttarnen...)
Im Alter von 51 Jahren machen mir Comics noch immer eine Heidenangst
und verursachen mir nach wie vor Alpträume. Aber die
Gabe, sie aus einer humorvollen und komischen Perspektive
betrachten zu können, funktioniert noch immer. Es macht
Spaß, aber es macht mich auch nervös, da ich selber
nicht beurteilen kann, ob ich wirklich ein ernsthafter Künstler
bin — oder nur einfach ein alberner — denn wie
soll ich das mit Bestimmtheit sagen können? Zum Glück
ist es nicht wirklich mein Problem, denn in der Beziehung
vertraue ich vollkommen auf meine Redakteure und die Leser,
die diese Frage viel besser beantworten können.
(Alle hier vorgestellten Geschichten
wurden sowohl geschrieben als auch gezeichnet von Peter Härdtfeldt.)
Stand Dezember 2003 
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