| Ich war ein großer Fan der Archie-Comics
und genauso der Harvey-Comics. Bei unserem Friseur lagen Comics
aus und immer, wenn mir ein neuer Haarschnitt verpasst wurde,
las ich die ganzen Klassiker wie die Donald-Comics von Gladstone.
Und, wie alle amerikanischen Jugendlichen meines Alters, die
am Cartoon hängen blieben, liebte ich die Zeitschrift
MAD. Von den Zeitungscartoons mochte ich vor allem die Peanuts.
Die haben mich auch sehr beeinflusst.
Wann und warum haben sie selbst mit
dem Comiczeichnen begonnen?
Das fing schon sehr früh bei mir an. Ich versuchte, meine
eigenen Versionen der Peanuts zu zeichnen, bevor ich überhaupt
lesen konnte und füllte die Sprechblasen mit irgendwelchen
zufälligen Buchstaben. In der Schule galt ich immer als
der Junge der zeichnen konnte, und als ich auf’s College
kam, begann ich sofort mit Cartoons für die Studentenzeitschrift.
Eigentlich hatte ich mein ganzes Leben lang irgendwie mit
Comics zu tun. Auf die Frage nach dem Warum eine Anwort zu
finden ist viel schwieriger. Es ist ganz einfach so, dass
der Wunsch, Cartoonist zu werden, von mir Besitz ergriffen
und mich nie los gelassen hat. Und das seit meinem fünften
Lebensjahr.
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| Bild 1: aus D 2003-049
It’s Greek to Me, noch nicht in Deutschland erschienen. |
Wie ist ihre Arbeitsweise? Womit fangen
sie an?
Zuerst kommt das Konzept für die Geschichte. Ich nehme
lange heiße Bäder und dabei fallen mir die Ideen
zu. Die notiere ich mir, nehme noch mehr heiße Bäder,
um die all die Details auszuarbeiten. Wenn die Geschichte
rund ist, maile ich ein Exposé an meinen Redakteur,
der mir dann hoffentlich sagt, dass er es wundervoll findet
und alle seine Kollegen bei Egmont auch. Dann mache ich eine
Seitenaufteilung, skizziere grob die einzelnen Panels und
schreibe die Dialoge hinein. Danach schreibe ich ein ausführliches
Skript am Computer, wobei sich die Geschichte oft noch um
einiges verändert. Daraufhin geht es zurück an den
Zeichentisch und ich scribble eine neue Version mit mehr Details
in den Panels aber ohne Worte. Dann schicke das Ganze nach
Kopenhagen.
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| Bild
2: aus D/D 2000-022 All You Need Is Love, dt. Seelenverwandschaft,
nachzulesen in MM-Magazin 49/2003 |
Was liegt Ihnen mehr, Comedy oder Abenteuer?
Also, wenn wir über Donald reden, dann gibt es da doch
wohl keinen Unterschied. Aber davon abgesehen, bin ich eindeutig
der Comedy-Mann. Wenn ich mir eine lustige Geschichte ausdenke,
ist es mir wurscht, ob es ein Abenteuer ist oder nicht. Aber
natürlich muss in jeder Donald Duck-Geschichte eine Menge
Action sein, egal, ob es sich um ein klassisches Adventure
handelt oder um den üblichen Schlamassel in Entenhausen.
Wer ist ihre Lieblings-Disney-Figur und warum?
Ich bin ein großer Fan von Dagobert Duck. Mit
dem kann man so viel anstellen. Aber auch Donald Duck finde
ich Klasse. Ich habe ein Faible für Persönlichkeiten
mit charakterlichen Webfehlern, die sie antreiben und in Schwierigkeiten
bringen.
Lesen sie heute noch Comics, und wenn ja, welche?
Zur Zeit lese ich fast nur noch Zeitungs-Comics. Und
da am liebsten die von Fox Trot, Get Fuzzy, Pearls Before
Swine und Boondocks. Manchmal greife ich zu alternativen amerikanischen
Comics von Leuten wie Dan Clowse und Chris Ware. Ich habe
so etwas früher auch gemacht, und halte seither ein Auge
drauf.
Haben sie jemals europäische Comics
gelesen wie Tim und Struppi oder Asterix?
Oh ja! Asterix ist mir allerdings nicht sehr nah. Er
ist einfach ein wenig zu europäisch für mich. Aber
ich mag Tim und Struppi sehr. Als ich dreizehn Jahre alt war,
hatten wir Nachbarn, die alle Bände hatten. Ich hatte
sie in nur einer Woche alle ausgelesen. Mein Sohn, der jetzt
neun Jahre alt ist, macht es mir nach, und wir kaufen die
Bände jetzt regelmäßig nach.
Welchen Einfluss hat Literatur oder
Kino auf ihre Arbeit?
Ich werde durch alles beeinflusst. Am meisten vermutlich
durch das Fernsehen. Ich kann gar nicht mehr zählen,
wieviele Ideen mir kamen, während ich Sendungen auf dem
Discovery-Channel gesehen habe. Auch wenn mich ein Buch richtig
packt, beeinflusst es mich. Ich habe mich lange mit den russischen
Dichtern beschäftigt. "Schuld und Sühne"
ist schlicht Pflichtlektüre für jeden, der Popliteratur
schreiben will, genauso wie Charles Dickens. Das Kino inspiriert
mich nicht ganz so stark, abgesehen von den Marx Brothers
oder Monty Python, als ich jung war.
Ich denke, das was ich gerade zuletzt gelesen oder gesehen
habe, hat dann auch den stärksten Einfluss auf meine
Arbeit.
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| Bild 3: aus D 2002-043
Up the Creek, noch nicht in Deutschland erschienen |
Was ist das für ein Gefühl,
so weit weg von den USA veröffentlicht zu werden?
Manchmal wünsche ich mir, die Leute hier könnten
das sehen. Niemand in Amerika weiß, dass Egmont überhaupt
existiert und ich muss das ständig erklären. Abgesehen
von der persönlichen Genugtuung, wenn meine Landsleute
meine Geschichten lesen könnten, denke ich, es wäre
toll, wenn die Kids in Amerika heute einfacheren Zugang zu
diesen Comics hätten. Ich bekommen englische Versionen
geschickt und mein Sohn ist völlig verrückt nach
ihnen. Er kann es kaum abwarten, bis wieder ein neues Paket
mit Donald Duck- und Micky Maus-Comics ankommt. Er schleppt
sogar die dänischen Ausgaben mit sich herum und versucht,
sie zu enträtseln. Wenn er sie schon so gerne hat, wieviele
andere Kids in USA würden sie nicht auch lieben, wenn
sie sie nur kennen würden.
Sie haben nebenbei auch ihren eigenen
Comic. Können sie uns darüber etwas erzählen?
Mein Comic-strip heißt "Edge City". Er handelt von
einer Familie – der meinen nicht ganz unähnlich
– und wird von King Features vertrieben. Er erscheint
täglich in den Tageszeitungen im ganzen Land. Meine Frau
Patty schreibt ihn mit mir zusammen.
Haben sie Pläne für die Zukunft? Was würden
sie wirklich gerne tun?
Ich würde gerne sehen, wie "Edge City" wächst
und gedeiht. Das ist, was ich immer tun wollte und ich bin
glücklich, dass ich die Chance dazu bekommen habe. Und
wenn ich die nächsten 20 Jahre nur daily-strips zeichnen
könnte, wäre ich damit zufrieden. Ansonsten habe
ich keinen besonderen Ehrgeiz, höchstens irgendwann meinen
Ruhestand an einem Strand zu verbringen. Doch bei all dem
wird immer noch Platz für Donald Duck sein!
Stand September 2004 
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